24. Dezember – Die Heilige Nacht

Mit diesem Tag ging die Adventszeit zu Ende und Weihnachten stand unmit­telbar vor der Tür. Der Kleine Bär hatte den ganzen Nachmittag des 24. Dezembers damit zugebracht, die selbst gebas­telten Geschenke für seine Eltern, Großeltern und Geschwister in Geschenk­papier zu wickeln. Als er fertig war, legte er sie unter den Christbaum und schlüpfte zur Entspannung in die warme Badewanne, wo er sich im warmen Wasser unter einem Berg wohlrie­chenden Schaumes herrlich ausruhen konnte, bevor das Fest losging.

Wie erwartet, gestaltete sich der Weihnachts­abend feierlich: Der Weihnachtsbaum erstrahlte in herrlichstem Glanz, Papa und Mama Bär hatten vorzüglich gekocht und Opa und Oma Bär saßen vor Freude strahlend auf dem Sofa. Der Kleine Bär und seine Geschwis­ter­bären durften viele bunte Päckchen mit Spielzeug aller Art auspacken. Welch ein Famili­en­glück! Die Großen freuten sich ganz besonders, wenn sich die Kleinen freuten. Und der Kleine Bär freute sich am meisten darüber, dass sich die anderen über seine selbst gebas­telten Geschenke freuten.

Als der Kleine Bär zu später Stunde ins Bettchen schlüpfte, konnte er die Augen kaum noch aufhalten. Weihnachten feiern war schon anstrengend! Schwups! Schon war er einge­schlafen. Das weiche Kopfkissen schmiegte sich sanft um sein Köpfchen, das strahlend weiße Federbett umgab ihn warm und leicht wie eine weiche Wolke. Wolke. Wolke. Wolke. Wolke …

Der Kleine Bär träumte. In seiner Traum­fan­tasie kam eine wunder­schöne, bauschig-weiße Wolke vom Himmel  zu dem Kleinen Bären herab­ge­schwebt. Er stieg vorsichtig auf, machte es sich bequem und glaubte, auf Watte zu liegen – gemütlich und flauschig war sein neues Wolkenbett! Sanft erhob sich die Wolke mit dem Kleinen Bären an Bord hoch in die Lüfte. Langsam schwebten sie über die Erde und der Kleine Bär konnte von oben aus beobachten, was in der Heiligen Nacht auf der Erde geschah.

Ein letztes Mal sah er den Weihnachts­markt. Noch einmal blinkten die vielen bunten Lichter, noch einmal roch es nach Maronen und gebrannten Mandeln. Über ihm funkelten die Sterne und der Mond lächelte freundlich.

Dann flogen sie über den Wald mit all den Tannen­bäumen, die in diesem Jahr keine Christ­bäume geworden waren. Vielleicht würden sie es nächstes Jahr schaffen. Sogar der Eisvogel hatte einen anderen Eisvogel gefunden, mit dem er auf einem beschneiten Ast Weihnachten feierte.

Wieder über der Stadt, sah der Kleine Bär geradewegs durch die Schorn­steine in die Häuser seiner Freunde hinein und stellte zufrieden fest, dass sie alle glücklich waren. Minuten später machte er dort unten sogar den Weihnachtsmann ausfindig, der sich auf seinem Schlitten sitzend von einem kräftigen Elch durch den Schnee ziehen ließ. Beide – Weihnachtsmann und Elch – machten zufriedene Gesichter. Offen­sichtlich war es ihnen gelungen, alle Geschenke recht­zeitig an die Bären­kinder zu verteilen. Der See, auf dem der Kleine Bär noch vor ein paar Tagen Schlitt­schuh­laufen gelernt hatte, war immer noch zugefroren und lag nun einsam und verlassen in der Dunkelheit.

Der Kleine Bär erinnerte sich an die wunder­baren Tage der Adventszeit. Er hatte viele schöne Dinge unter­nommen, entdeckt, gelernt und erfahren. Die Erinnerung daran machte ihn sehr glücklich und als sein Herzchen vor Freude warm wurde, wachte der Kleine Bär auf – und stellte fest, dass die Wolke in Wirklichkeit sein muckelig warmes Federbett war.

Bis zur nächsten Adventszeit lag fast ein ganzes Jahr voll Liebe, Freude und Abenteuer vor ihm. Darauf freute er sich und schlief mit einem Lächeln auf dem Schnäuzchen wieder ein.

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