12. Dezember – Reise zur Milchstrasse

Der Tag war schnell vorbei­ge­gangen und spaßig gewesen, doch nun – kurz vor fünf Uhr am Nachmittag – war es schon wieder dunkel. Der Kleine Bär fand, dass die Tage in der Adventszeit viel zu kurz seien und dies ihm gar nicht gefalle. Viel zu früh müsse man das Licht anknipsen. Papa Bär legte seinen kräftigen Arm um die Schultern seines kleinen Bären­sohns und sagte: “Das siehst du nicht richtig, mein Schatz. Komm, ich zeige dir, wie schön der Nacht­himmel ist.” Die beiden zogen sich ihr Winterfell hoch über die Ohren und traten vor die Haustüre. Im Garten war es stock­finster, doch am schwarzen Himmel funkelten unendlich viele Sterne. “Schau mal, die vielen Sterne dort oben. Das ist die Milch­straße.” Der Kleine Bär war sehr beein­druckt von der Schönheit dieser vielen funkelnden Punkte, die gemeinsam die Milch­straße bildeten. Wie winzig klein doch ein jeder von ihnen war, dachte der Kleine Bär. Er musste schließlich zugeben, dass die langen Nächte im Winter doch nicht so übel seien, schließlich konnte man sich den herrlichen Sternen­himmel anschauen, den man bei Tage nicht sah.

Als ihm dann nach langem Sterne­gucken kalt wurde und er in das Bären­häuschen zurückging, stand schon das Abendbrot auf dem Tisch. Er aß zwei doppelte Käsebrote, trank eine Tasse warme Milch und musste dabei wieder an die Milch­straße denken. Ob es dort oben auch Milch gab? Er konnte sich diese Frage nicht mehr beant­worten, denn er spürte große Müdigkeit. Als er endlich im Bettchen lag, fielen ihm die Augen bald zu. Und schon kam sein Traum­schiff herbeigeschwebt.

Im Traum stand er wieder draußen im Garten und beobachtete die Sterne. Einer davon funkelte ihn ganz besonders nett an. Da sprach der Kleine Bär den Stern einfach an: “Hallo, Kleiner Stern! Kannst du mich sehen?” –  “Natürlich kann ich dich sehen. Und all die anderen Sterne können dich auch sehen”, antwortete der Stern. “Möchtest du uns hier oben in der Milch­straße vielleicht einmal besuchen?” – “Oh ja!”, rief der Kleine Bär ohne nachzudenken.

Da kam ein kleines Stern­mobil vom Himmel gesaust und blieb vor dem Kleinen Bären stehen. Eine Türe öffnete sich, er stieg ein – und ab ging die Reise hinauf zu den Sternen. Beim Blick aus dem Fenster wunderte sich der Kleine Bär, dass die Erde unter ihm immer kleiner wurde. Als er endlich in der Milch­straße ankam, lachten die Sterne ihm freundlich entgegen. Der Kleine Bär war erstaunt darüber, dass ein jeder von ihnen so groß war. Von unten sahen sie aus wie kleine Punkte. Jetzt stellte er fest, dass die Erde von hier oben aus betrachtet winzig klein war. Neben all den anderen Sternen erkannte er den Erdball nur an seiner wunder­schönen blauen Farbe. “Siehst du, Kleiner Bär”, sagten die riesen­großen Sterne der Milch­straße, “es kommt immer darauf an, von wo aus du die Dinge betrachtest. Für uns ist die Erde genauso klein wie wir Sterne für dich. Und wie du siehst, sind wir hier oben in der Milch­straße eng zusam­men­ge­rückt, damit wir nicht so alleine sind und uns unter­halten können. Die Menschen nennen unsere Gemein­schaft „Milch­straße“. Wir sind fast so etwas wie eine Familie, denn wir halten immer eng zusammen und bilden eine Einheit. Auch wenn ein jeder von uns durchaus unter­schiedlich ist – groß oder klein, dunkel oder hell, bergig oder flach. Zusammen sind wir die Milchstraße.”

”Dann seid ihr ja so etwas wie ich und meine Bären­fa­milie! Ich wohne mit meinen Eltern, Geschwistern und Großeltern in einem schönen Häuschen auf der Erde. Wenn man uns von weitem sieht, erkennt man sofort, dass wir zusam­men­ge­hören, obwohl wir unter­ein­ander ganz verschieden sind.” Alle waren zufrieden mit diesem Vergleich.

Vor seiner Abreise zurück auf die Erde luden die Sterne den Kleinen Bären noch auf einen Milch­shake in ihre Milchbar ein. Dann wünschten sie ihm bei seiner Abreise zur Erde viel Glück.

Als der Kleine Bär aus seinem Traum erwachte, dachte er noch einmal darüber nach, dass nicht alles immer so war, wie es zunächst erschien. Das hatte er in seinem Traum gelernt. Und dass es für jedes Wesen wunder­schön war, in einer Familie mit unter­schied­lichen Famili­en­mit­gliedern zu leben. Wo jeder so sein konnte wie er war und wo man gemeinsam stark und froh war.

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