23. Dezember – Das Krippenspiel

Heute war General­probe für das Krippen­spiel, das am Heiligen Abend in der Bären­kirche aufge­führt werden sollte. Der Kleine Bär hatte mit den anderen mitwir­kenden Bärchen schon oft den Ablauf und seine Rolle als einer der Heiligen Drei Könige geübt. Das Jesulein würde in der Krippe liegen, Maria und Josef säßen daneben und Hirten kämen mit ihren Schafen und Eseln herbei. Den großen Auftritt aber würden die Heiligen Drei Könige haben, die dem Jesulein Gold, Weihrauch und Myrrhe bringen sollten. Sie würden ihm huldigen und die frohe Botschaft seiner Geburt in die Welt hinaus­tragen. So weit, so gut.

Eines war bis heute aller­dings noch nicht klar: Was würde er, der als König verkleidete Kleine Bär, dem Jesulein schenken? Gold? Daraus machte sich der Kleine Bär nicht viel. “Gold ist etwas für Bären­frauen wie meine Mami. Die hängt sich gerne Goldketten um den Hals, aber was soll denn solch ein kleines Baby mit Gold?”, protes­tierte er. Die zwei Bärchen, die die Rollen der anderen zwei Heiligen Könige spielen sollten, schauten ihn fragend an. “Dann schenk doch Weihrauch!”, schlug eines von ihnen vor. “Nein”, antwortete der Kleine Bär. “Das wäre aus meiner Sicht wirklich kein schönes Geschenk! Weihrauch kann man weder sehen noch fühlen. Man kann ihn nur riechen, und ich persönlich bekomme davon in der Kirche immer aller­gische Niesan­fälle. Nein, Weihrauch kommt für mich nicht in Frage.”

Dann bleibt nur noch Myrrhe!”, riefen die Bärchen im Chor.

Ich würde darüber nachdenken, wenn mir einer von euch erklären könnte, was das ist”, antwortete der Kleine Bär und blickte in die Gesichter seiner Freunde. Dort fand er keine Reaktion. Er schaute nur in große Augen und offene Münder. Niemand von ihnen wusste, was Myrrhe war. “Genug!”, verkündete der Kleine Bär. “Lasst euch von mir überra­schen. Morgen, am Heiligen Abend, werde ich das richtige Geschenk für das Jesulein dabei haben”, sagte er, verließ den Übungsraum und ging nach Hause. Aber als er am Abend zu Bett ging, wusste er noch immer nicht, was er schenken sollte. Vielleicht würde ihm im Traum etwas einfallen …

Als er tief und fest schlief, dachte er wieder über das Geschenk nach. “Warum schenkt man jemandem überhaupt etwas?”, schoss es ihm durch den Kopf. “Natürlich, damit der Beschenkte sich freut. Über etwas Schönes. Etwas von Wert … Und was hat wirklich Wert? Gold? Weihrauch? Oder Myrrhe? Nein … was könnte ich dem Jesulein Wertvolles von mir schenken? Mein Stoff­häschen könnte ich ihm schenken. Es hat großen Wert für mich, und ich liebe das Häschen am aller­meisten von meinen Spiel­sachen. Aber würde es dem Jesulein wirklich so viel wie mir bedeuten? Vielleicht nicht! Und ich würde das Häschen schrecklich vermissen und traurig sein.”

Der Kleine Bär überlegte weiter. Was war nur das Wertvollste, was er dem Jesulein schenken konnte? In Gedanken ging er alle seine Besitz­tümer durch und stellte fest, dass es nichts davon sein konnte.

Mit einem Mal wusste er die Lösung. Das Wertvollste, was er verschenken konnte, war etwas, was nicht mit Geld zu bezahlen oder irgendwo zu kaufen war. Es war seine Liebe. Und wenn der Kleine Bär Liebe spürte, dann wurde sein Herzchen immer ganz warm. Damit hatte er die Lösung – er würde dem Jesulein sein Herzchen und seine ganze Liebe schenken. Etwas Wertvol­leres als das gab es auf der ganzen Welt nicht.

Als der Kleine Bär aufwachte, war er sehr glücklich, denn er hatte endlich das richtige Geschenk gefunden. Doch wie sollte er den Zuschauern des Krippen­spiels deutlich machen, dass er dem Jesulein Liebe schenken würde? Liebe kann man nicht sehen, nur fühlen. Also blies er einen von seinem Bären­kin­der­ge­burtstag übrig geblie­benen, roten Herz-Luftballon auf. Dieses aufge­blasene Herz würde seine Liebe und Freund­schaft für alle sichtbar machen.

Der Kleine Bär war sich sicher, dass sich das Jesulein sehr über das Luftbal­lonherz freuen würde, und sah dem Krippen­spiel zuver­sichtlich entgegen.

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